Lesung im Stall - Foto: "Menschen brauchen Tiere eV.", Wörnbrunn

Lesung im Stall – Foto: „Menschen brauchen Tiere eV.“, Wörnbrunn

Gleich zweimal durfte ich in diesem Sommer meine Geschichte „Haben Regenwürmer Augen“ lesen. Einmal im Verein „Menschen brauchen Tiere eV“: Danke an Ina Kirchhoff und danke an die Gemeindebibliothek Grünwald für die wunderbare Kulisse, die Organisation und danke an die wunderbar lauschenden Zuhörer! mehr +

brachland, gleisödland
was ich daran liebe?
die margeritenblüten,
die ihren lebensraum erobern

tine 7-14

2. Kapitel: Fuß fassen

Sigrid musste etwas unternehmen, um in dieser Stadt Fuß zu fassen. Wie alle einsamen Frauen stand ihr der Gang in einen Italienischkurs der Tiroler VHS offen oder Feldenkrais oder Keramik bemalen. Sie könnte sich auch öffentlichen Führungen durch die Geschichte Wörgls anschließen. Nur wo versteckte sich die Historie in Wörgl? Unter den Meilensteinen, die die Stadtverwaltung mangels echter Kulturgüter mit echtem Einfallsreichtum ins Pflaster eingebunden hatte?
Sie verwarf alle Alternativen und ging zum Mittagessen in die Post. Sie hatte sich für Tiroler Gemütlichkeit entschieden.
Sigrid kostete den Salat mit Putenbruststreifen, da betraten ein älteres Paar und ein Mann mittleren Alters den Gastraum. Das Paar kannte sie als Kunden; er wartete treu, bis seine Frau mit viel Hingabe ein Tuch passend zu ihrem Dirndl ausgewählt hatte.
„Ah, die Frau Loden muss sich auch stärken, angenehm.“ mehr +

Ein Kapitel „Nele“

Cover Tanzroman "Nele"

1. Kapitel – zweiter Teil

„Kannst du nicht mal leise durch den Flur gehen?“ Mila Mütze krächzte aus ihrem Zimmer. Ihr Bruder Ben klopfte an ihre Tür und öffnete sie, ohne die Antwort abzuwarten.
„Schlaf weiter, Schwesterchen, und träum schön!“
Sie brummelte etwas in ihr Kissen und Ben lehnte die Tür an. An diesem frühen Morgen konnte ihn nichts aufregen. Mila nicht und die schlechte Nacht auch nicht. Sonderbar. Er hatte nichts erreicht. Erst traf er nur auf Alarmanlagen, die er noch nicht kannte, dann diese Frau. Und trotzdem fühlte er sich gut.
Ben stellte seine Tasche auf den Küchentisch und Resi huschte heraus. Sie sprang auf den Boden und suchte sofort den Wassernapf. Der war noch leer, Resi stupste die Metallschüssel an, sodass sie scheppernd über die Fliesen kullerte. mehr +

Was ist Schönheit?

Schneeglöckchen, Primeln und Co wetteifern, wer die Schönste im Frühlingsland sei.

Schneeglöckchen und weiße Primeln nicken mit ihren Blüten im Wind.

Die Primel ruft: „Ich bin die Schönste im Gartenland!“

Das Schneeglöckchen blickt zu Boden. „Nein meine Liebe, ich war die erste im Frühling, die Ersten verbreiten Schönheit, weil sie eben die Ersten sind!“

Der Winterling schüttelt sein gelbes Köpfchen. mehr +

Lesung Tine Sprandel und Günther Löffelmann März 2015Ein Schweinsbraten kann eine herrliche Sache sein. Knusprig die Kruste, zart das Fleisch, würzig die Soße und sämig die Knödel. Ein Hochgenuss. Was aber, wenn er verkocht, zu fett oder – Gott bewahre – versalzen ist? Der Zorn der Speisenden ergießt sich über den Koch, sein Werk erfährt ein vernichtendes Urteil.

Wir, Tine und Günter, finden, dass es mit der Literatur ebenso ist, wie mit der Kulinarik, der Autor die Rolle des Kochs einnimmt. mehr +

weiß

Heute schreibe ich nicht am Bildschirm, nicht auf ein frisches leeres Blatt Papier. Heute bleibt das Papier leer.
Das weiße Blatt starrt mich an und sagt: „Das nennst du leer?“
Ich zögere.
„Wenn die Leere weiß ist, dann ist sie nicht leer“, sagt das Blatt.

Dieses Weiß hat etwas Erhabenes und Reines. Obwohl das Weiß nicht reinweiß ist. Auch nicht Vanille oder Magnolie. Eher wie das Weiß der Margeritenblüte oder der heiligen Hortensien. Weißer Flieder wird leicht dreckig, wenn Einzelblüten verblühen. Dieses Weiß meine ich nicht.
Mein Leben ist auch nicht mehr weiß, obwohl ich Menschen kenne, die sich leicht wieder in einen weißen unschuldigen Zustand versetzen können.
Das leere Blatt ist unschuldig. Als solches zeugt es von Respekt, dass ich es heute weiß lasse. In dem ich diese Gedanken auf einen Papierfetzen, auf gebrauchtes Schmierpapier schreibe, dokumentiere ich ihre Vorläufigkeit und ihre private Natur. Diese Wörter sind für niemanden bestimmt. Nicht einmal für mich. Sie hinterlassen keine Spuren. Sie purzeln einfach durch meine Hand und meinen Füller auf Schmierpapier. So wie beim Nießen kleine Tropfen Schleim in die Umgebung spritzen, die wir bestensfalls in der Spüle mit etwas Wasser in den Abfluss schicken. mehr +

NanoWriMo 2014Deswegen bin ich im November wieder dabei: 50 000 Worte für einen neuen Roman.

Das ist der National Novel Writing Month 2014.