Lesung Tine Sprandel und Günther Löffelmann März 2015Ein Schweinsbraten kann eine herrliche Sache sein. Knusprig die Kruste, zart das Fleisch, würzig die Soße und sämig die Knödel. Ein Hochgenuss. Was aber, wenn er verkocht, zu fett oder – Gott bewahre – versalzen ist? Der Zorn der Speisenden ergießt sich über den Koch, sein Werk erfährt ein vernichtendes Urteil.

Wir, Tine und Günter, finden, dass es mit der Literatur ebenso ist, wie mit der Kulinarik, der Autor die Rolle des Kochs einnimmt. mehr +

weiß

Heute schreibe ich nicht am Bildschirm, nicht auf ein frisches leeres Blatt Papier. Heute bleibt das Papier leer.
Das weiße Blatt starrt mich an und sagt: „Das nennst du leer?“
Ich zögere.
„Wenn die Leere weiß ist, dann ist sie nicht leer“, sagt das Blatt.

Dieses Weiß hat etwas Erhabenes und Reines. Obwohl das Weiß nicht reinweiß ist. Auch nicht Vanille oder Magnolie. Eher wie das Weiß der Margeritenblüte oder der heiligen Hortensien. Weißer Flieder wird leicht dreckig, wenn Einzelblüten verblühen. Dieses Weiß meine ich nicht.
Mein Leben ist auch nicht mehr weiß, obwohl ich Menschen kenne, die sich leicht wieder in einen weißen unschuldigen Zustand versetzen können.
Das leere Blatt ist unschuldig. Als solches zeugt es von Respekt, dass ich es heute weiß lasse. In dem ich diese Gedanken auf einen Papierfetzen, auf gebrauchtes Schmierpapier schreibe, dokumentiere ich ihre Vorläufigkeit und ihre private Natur. Diese Wörter sind für niemanden bestimmt. Nicht einmal für mich. Sie hinterlassen keine Spuren. Sie purzeln einfach durch meine Hand und meinen Füller auf Schmierpapier. So wie beim Nießen kleine Tropfen Schleim in die Umgebung spritzen, die wir bestensfalls in der Spüle mit etwas Wasser in den Abfluss schicken. mehr +

NanoWriMo 2014Deswegen bin ich im November wieder dabei: 50 000 Worte für einen neuen Roman.

Das ist der National Novel Writing Month 2014.

Unterwegs mit der S-Bahn

Im diffusen Wolkenlicht -
ein Lagerfeuer aus Grautönen
da hilft auch die orangene Jacke nichts

©tine 7-14

brachland, gleisödland
was ich daran liebe?
die margeritenblüten,
die ihren lebensraum erobern

©tine 7-14

Urlaub am Meer by TineMeine Teure,
der Klang deiner Stimme hallt über die Dünen. Ich vermisse dich.
Dein T.

Lieber T.,
Habe eine Wandertaube aufgelesen.
Sie lahmte am rechten Fuß.
Ich fütterte sie mit Brosamen
und gebe ihr Botschaften mit.
Deine Liebe vom Sommer

Meine Teure,
Heute ließ ich Drachen steigen mit den Kindern. Ihr Lachen klang wie das Zwitschern an dem Morgen nach unserer ersten Nacht. mehr +

Erstes Kapitel: Wer hat Angst vorm Drachen? Niemand!

Vorlesegeschichte für KinderEin Drache. Er nähert sich. Er ist grün und blau und mit dunklen Punkten. Nein, das sind keine Punkte, das sind Flecken. Große weihnachtsbaumgrüne Flecken. Miro, Lotte, Sven, Fabian und Laslo, die Kinder aus dem Lagerhaus, ducken sich hinter eine zerbrochene Fensterscheibe und schielen auf den Parkplatz. Sie sind auf zerbeulte Reifen geklettert, um besser sehen zu können. Draußen schüttet es.

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Urlaub am Meer

ein taugenichts hängt
knietief im gestrüpp
malt mit spitzem ast
fragen in den sand
mistral pfeift über pinien
hält an und fegt
die worte auf die see
danach herrscht ruhe
nur das meer tobt noch

©  tine 6-16