Tauwetter ist grauschwarz, suppt und sifft.
Ich mag eigentlich kein Tauwetter. Es ist Mittelmaß. Nicht heiß nicht kalt. Nicht fest nicht flüssig. Pippi Langstrumpf ohne Sommersprossen und Pferd. Wie das Wort „eigentlich“. „Eigentlich“ macht jede Tatsache relativ. Das Wort gehört zu den Füllwortern, Füllwörter sollte man streichen. Darum schreibe ich nicht über Tauwetter, kein Wort. Wie soll man über das Dazwischen auch schreiben? Eben, wenn man das „eigentlich“ weglässt, muss man es direkt aussprechen: Tauwetter ist für sich allein betrachtet doof.
Bei Tauwetter rauscht das geschmolzene Wasser. Die Flüsse steigen über die Ufer, überschwemmen, füllen Keller. Das Wasser nimmt Geröll mit, Schmutz und Dreck. Es fließt aus allen Richtungen, von oben nach unten. Zurück bleiben graue, matschige mit Erde vermischte Schneereste. Tauwetter nimmt Dreck mit, hinterlässt Dreck.
Es gibt Länder, in denen kommt der Frühling fast über Nacht. In Moskau zum Beispiel mutet es wie ein Wunder an, wenn binnen weniger Tage die schwarzen Flächen neben den Straßen grün werden. Nach dem Winter besiedelt grün all den grauschwarzen Ruß.









